Im Seminar "Christentum und Islam" sind wir zur klaren Erkenntnis gekommen, dass ohne Dialog nichts geht. Wenn wir ernstnehmen, dass jeder Mensch von Gott gewollt ist, dann können wir Menschen anderer Religion nicht übergehen, weil sie eine andere Auffassung von Gott und vom Leben haben.

Auch unter uns Christen ist es wichtig, miteinander im Gespräch zu sein. Die Zeit ist noch nicht lange her, als es katholische und evangelische Dörfer nebeneinander gab, die nichts miteinander zu tun haben wollten. Man besuchte keine Veranstaltung gegenseitig, nahm sich kaum wahr.

Selbst unter Christen gleicher Konfession scheint es manchmal keine Brücken zueinander zu geben. Ich erinnere mich daran, als katholische Heimatvertriebene in unser Heimatdorf kamen. Sie gingen am Sonntag in denselben Gottesdienst, aber der Kontakt fiel schwer, weil sie fremd aussahen und sich in manchen Bereichen anders verhielten. Erst mit der Zeit kam man sich als Mensch näher. Es brauchte Mut, aber die Liebe der jungen Menschen hat oft geholfen, Grenzen zu überschreiten, einander zu schätzen.

Manchmal (ver-)hindert  den Dialog die Angst, sich selbst zu verlieren oder von sich selbst zu viel hergeben zu müssen. Es ist wichtig, um die eigene Identität zu wissen und an sich (und an Gott) zu glauben. Wir sollten mit der eigenen Überzeugung nicht hinterm Berg halten. Das Zusammenleben gelingt, wenn wir ehrlich und offen miteinander umgehen. Das heißt aber auch, dass wir uns nicht vorneweg für besser halten und andere verteufeln. Viele Vorurteile können abgebaut werden und brauchen nicht zu verletzen, wenn wir aus uns heraus und auf andere zugehen. Ich wünsche mir/uns De-Mut zum Dialog.

Zur Zeit ist innerhalb der katholischen Kirche Deutschlands ein Dialogprozess angeregt. Hoffentlich bringt uns der Heilige Geist über manche Hürden hinweg, in der eigenen Gemeinschaft des Glaubens und Lebens, aber auch dann in der Gemeinschaft mit der  evangelischen Kirche vor Ort und in der Welt.

Pfarrer Hermann Weiß
St. Bonifatius Kirche, Metzingen