Im Frühjahr 1996 kamen erstmals die Mitglieder des Ausschusses für Mission und Ökumene des Evangelischen Gesamtkirchengemeinderates und Mitarbeitende anderer christlicher Kirchen und Gemeinden zusammen: aus der katholischen St. Bonifatiusgemeinde, der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde sowie der Evangelisch-methodistischen Christuskirche. Man war sich nicht völlig fremd, beging man doch schon seit längerem die Ökumenische Bibelwoche, die Friedenswoche und den Weltgebetstag der Frauen gemeinsam. Aber es gab den Wunsch nach mehr, nach intensiveren Kontakten und größerer Verbindlichkeit. Von Anfang an herrschte ein offenes Klima von Wertschätzung und gegenseitigem Interesse, und dieses Treffen wurde bald wiederholt. Aus solchen lose verabredeten Terminen entstand noch im Laufe des Jahres 1996 der "Arbeitskreis Ökumene Metzingen".

Am Anfang stand gar nicht so sehr der Wunsch, miteinander zu reden, sondern miteinander etwas zu tun. Eine erste gemeinsame Aktivität war eine Anzeigenaktion zum Thema "Schutz des Sonntags".


Es kam eine Aufbruchstimmung auf, die nach mehr verlangte. Es dauerte nicht lange, bis das ehrgeizige Ziel im Raum stand, eine "Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Metzingen" zu formieren. Informelle Kontakte zum ACK-Büro in Stuttgart ergaben beides: Ernüchterung und neue Impulse. Die Auskunft, eine ACK mache nur dann Sinn, wenn sich bereits eine gewisse ökumenische Kultur etabliert habe, erforderte neues Nachdenken und Planen: Wie lässt sich eine ökumenische Kultur entwickeln und pflegen? Ein Baustein dafür wurden die Ökumenischen Andachten. Seit 1998 finden sie nun statt, jeden letzten Mittwoch im Monat um 19 Uhr im Chorraum der Martinskirche.

Zeitgleich kam die Idee auf, das Jahr 2000 mit einem ökumenischen Gottesdienst zu beginnen, der bewusst an die Stelle der Neujahrsgottesdienste in den  einzelnen Gemeinden treten sollte - als gemeinsame Feier der Christen in Metzingen. In diesem Zusammenhang wurde eine gemeinsame Plattform formuliert,  die "Leitgedanken für eine Zusammenarbeit der Christen in Metzingen". Diese wurden zu Pfingsten 1999 allen Gemeinden zugestellt und in den folgenden Monaten auch von allen gemeindeleitenden Gremien zustimmend zur Kenntnis genommen.

Am 1. Januar 2000 wurde unter großer Anteilnahme der Gemeinden der erste Ökumenische Gottesdienst zum Jahresbeginn gefeiert; in der Zwischenzeit gehört er in allen beteiligten Gemeinden fest zum Gottesdienstterminkalender.

Es begann die Reihe der Ökumenischen Tischgespräche, die zwar ähnlich strukturiert sind wie die Abende der Ökumenische Bibelwoche, sich aber bestimmter Themen annehmen, die von den Konfessionen und Denominationen unterschiedlich behandelt werden - Rechtfertigung, Kirchenverständnis, die Bedeutung der Heiligen, Abendmahl, Amtsverständnis.

Von großer Bedeutung für uns war im Jahr 2002 der Besuch einer kleinen Delegation aus unserer englischen Partnerstadt Hexham, von der dortigen Anglikanischen Abbey. Ganz selbstverständlich wurde nach der Ökumene in Metzingen gefragt, und diesem Kreis ein Gruß von "Churches Together in Hexham" überbracht. Der Arbeitskreis Ökumene - u.a. mit Pfarrer Weiß von der Bonifatiuskirche, Pastor Wittenzellner von der Christuskirche und Pfarrer Bayer von der Martinskirche - machte im Sommer 2003 den Gegenbesuch.

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Besuch in Hexham 2002



Ein weiterer Höhepunkt war das Jahr der Bibel 2003 mit den "Bibelwegen", die nicht nur ökumenisch verantwortet waren, sondern in ihrer konkreten Gestalt ein ökumenisches Zeichen waren: künstlerisch gestaltete Verbindungswege zwischen den gottesdienstlichen Orten der beteiligten Gemeinden.

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Aktion "Bibelwege" 2003



Der Arbeitskreis Ökumene ist nicht die allumfassende Ökumene, die zum Ziel hat, Traditionen anzugleichen und die Eigenarten der Konfessionen und Denominationen einzuebnen. Das belegen auf der einen Seite die Ökumenischen Leitlinien, die dezidiert nicht eine Kirchenvereinigung als Ziel benennen, sondern Verständnis und Annäherung ohne Preisgabe der eigenen Identität.  Zum anderen ergibt es sich aus der Tatsache, dass es christliche Gemeinden in Metzingen gibt, die von uns eingeladen wurden, aber entweder gar nicht oder sehr zurückhaltend reagiert haben.

In den zurückliegenden Jahren hat sich also eine anregende ökumenische Kultur entwickelt - es gäbe noch viel mehr Aktionen und Veranstaltungen zu nennen! Diese braucht eine verbindliche und namhafte Gestalt und eine verlässliche Rückkopplung in die einzelnen Gemeinden. Deswegen informierte der Arbeitskreis bei einem Treffen aller gemeindeleitenden Gremien im Februar 2005 über seine Absicht, die Bildung einer "Arbeitgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Metzingen" nun konkret zu verfolgen. Wenn alles gut geht, wird es noch im Jahr 2006 so weit sein...