Kaum war mit dem begeistert aufgenommenen Konzert des Aalener Jugendsymphonieorchesters und der Metzinger Martinskantorei zum Reformationsjubiläum ein Höhepunkt der Kirchenmusik in Metzingen verklungen, da traf sich die Martinskantorei schon wieder zu intensiver Probenarbeit, um sich an die nächsten Werke heranzutasten.


Kantor Stephen Blaich

Zum Einsingen, aber auch zur Probenarbeit selbst hatte Martinskirchen- und Bezirkskantor Stephen Blaich die in Metzingen bestens bekannte und beliebte Sängerin und Gesangspädagogin Gundula Bernhold aus Göttingen eingeladen.


Gundula Bernhold

Anstelle griechischer und hebräischer Texte ging es diesmal nur um Musikliteratur in deutscher und lateinischer Sprache. Ein Schwerpunkt der Probenarbeit galt der Choralkantate „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, die am kommenden Sonntag im Investiturgottesdienst für Pfarrer Albrecht Schäfer  zur Aufführung gelangen wird. Der enge Zusammenhang zwischen der musikalischen Sprache von Johann Sebastian Bach und der romantischen Auffassung Mendelssohns wird in dieser Kantate überaus deutlich und war mit ein Grund für das begeisterte Mitgehen der rund sechzig Choristinnen und Choristen.

Neben einem für die Adventsmusik ins Auge gefassten Werk von Heinrich Schütz („Also hat Gott die Welt geliebt“) stellte Stephen Blaich dann das Requiem in c- Moll des italienischen Komponisten Luigi Cherubini vor. Cherubini, der den größten Teil seines über 80-jährigen Lebens in Frankreich verbrachte, wurde im Jahr 1760, also nur vier Jahre nach W. A. Mozart, geboren. Seine lange Schaffensperiode war geprägt von Begegnungen mit Gluck, Mozart, Haydn, Beethoven, Chopin, Rossini, Offenbach  und umfasste den Zeitabschnitt von der Klassik bis weit hinein in die Romantik. Zu seinen Lebzeiten galt er als einer der bedeutendsten Komponisten auf den Gebieten der Oper, der Kirchenmusik und der Kammermusik. Als Leiter des Pariser Konservatoriums trug er seine Ideenwelt bis in das musikalische Schaffen des beginnenden 20. Jahrhunderts hinein.

Das Requiem in c- Moll hatte sich Beethoven für seine eigene Beerdigung gewünscht – ein Zeichen für die Qualität dieses Werks, in dem keine Solisten zu Wort kommen, dafür der Chor neben und mit dem Orchester umso mehr gefordert wird. Am Palmsonntag, 14. März 2018, soll diese Messe für die Verstorbenen als Passionsmusik  in der Martinskirche aufgeführt werden. Im Rahmen des Probenwochenendes erhielten die Teilnehmer die Gelegenheit, einige Sätze vom Blatt zu singen und sich so eine erste Vorstellung dieses außerordentlich schönen Werks zu erarbeiten. Die Reaktion der Teilnehmer fiel dementsprechend positiv aus; alle freuen sich auf das Einstudieren und die Aufführung jetzt schon.


Gemütlicher Ausklang in der Kellerbar

Dass neben der Chorarbeit auch das gesellige Miteinander nicht zu kurz kam, entspricht einer guten Tradition bei der Metzinger Martinskantorei. So wird auch das Miteinander, also das Gemeinschaftsgefühl gefördert. Und nicht vergessen werden darf, dass sich Stephen Blaich nicht nur intensiv auf das Chorwochenende vorbereitet und dies ebenso intensiv gestaltet hat, sondern dass er mit einem Taizé-Gebet am Samstag und einem Gottesdienst am Sonntag auch die richtigen theologischen Akzente gesetzt hat.



Rosenkranzkapelle, Kloster Untermarchtal

Das angefügte Album gibt einen Einblick in die Probenarbeit mit Stimmbildung und Lockerungsübungen unter der Leitung von Gundula Bernhold.