Silbermann-Orgel und goldener Oktober

Siebte Orgelexkursion der Familienbildungsarbeit (FBA) führte nach Straßburg und Durbach

 

Silbermann-Orgel

Johann Andreas Silbermann, Elsässer aus der sächsischen Dynastie von Orgelbauern, hat zwischen 1737 und 1781 im Elsaß, im heutigen Baden und in der Schweiz nachweisbar 29 Orgeln gebaut, von denen eine ganze Reihe die Zeitläufte der letzten 250 Jahre überstanden hat. Eine der berühmtesten aus dem Werk Silbermanns steht in der Straßburger Thomaskirche, die seit der im September 1681 durch König Ludwig XIV. von Frankreich erzwungenen Rückgabe des Straßburger Münsters an die römisch-katholische Kirche die evangelische Hauptkirche Straßburgs und damit auch des Elsaß ist.

Thomaskirche

Diese fünfschiffige Hallenkirche aus den Epochen von Romanik und Gotik war das erste Ziel der diesjährigen Metzinger Orgelfahrt. Bezirks- und Martinskantor Stephen Blaich stellte zuerst einen im Langhaus der Kirche aufgestellten von Silbermann gebauten Spieltisch vor, der zugleich auch an Albert Schweitzer erinnerte.

Spieltisch der Silbermann-Orgel

Dieser aus dem Elsaß stammende legendäre Theologe, Musiker und Missionsarzt hatte übrigens im Jahr 1908 in der Thomaskirche den späteren Bundespräsidenten Theodor Heuss und Elly Heuss-Knapp getraut. Ein Jahr später gab Schweitzer hier sein erstes Konzert mit Werken von Joh. Sebastian Bach.

Nach vielen musikalischen und historischen Informationen auch schon während der Omnibusfahrt stellte danach Stephen Blaich die im Jahr 1741 erbaute Orgel vor, die noch 17 Originalregister Silbermanns enthält, aber auch zahlreiche klang verändernde Eingriffe über sich ergehen lassen musste. Entsprechend der heutigen Klangdisposition hatte Stephen Blaich für seine musikalische Vorführung des Instruments hauptsächlich Werke französischer Komponisten aus der Barockzeit ausgesucht, wie Clérambault, de Grigny und Couperin. Die Vorstellung der Orgel am Spieltisch litt unter der drangvollen Enge auf der Orgelempore, so dass hier stets nur wenige Teilnehmer direkt am Spieltisch Platz hatten.

Die Zuhörer lauschen den Orgelklängen

So konzentrierten sich die Teilnehmer auf das Hören unten in der eindrucksvollen Kirche mit ihrer herrlichen Akustik, bevor sie in eine zweistündige Mittagspause entlassen wurden, die jede und jeder nach eigenem Gusto nutzen konnte. Das milde, goldene Herbstwetter tat ein Übriges, so dass Spaziergänge entlang der Ill, ins Gerberviertel mit seinen alemannischen Fachwerkhäusern, zum Gutenbergplatz und natürlich zum hoch aufragenden Münster nach dem akustischen zum visuellen Genuss wurden.

Gerberviertel

Gutenbergplatz

Wer am 24.Oktober 2015 auf dem Straßburger Münsterplatz stand, konnte sich nicht vorstellen, dass dem großen Touristenrummel auf diesem Platz einen Tag später auf dem Metzinger Lindenplatz ein noch viel größerer Rummel folge sollte…

Wie die Familie Silbermann in der Barockzeit die Orgelbaukunst dominierte, so beherrschte die Werkstatt der schwäbischen Familie Walcker im 19.Jahrhundert weit über Deutschland hinaus den Orgelbau. So war es auch kein Wunder, dass der bedeutendste Vertreter dieser renommierten Firma, Eberhard Friedrich Walcker, den Auftrag zum Bau der Orgel in der evangelischen Garnisonskirche St. Paul in Straßburg erhielt.

Paulskirche

Orgel der Paulskirche

Diese im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts erbaute Kirche erinnert mit ihrer doppeltürmigen neugotischen Fassade an die Elisabethenkirche in Marburg, bietet an der breitesten Stelle der Ill vom Nordausgang der Altstadt her einen spektakulären Anblick und ist neben dem Münster eines der beliebtesten Foto-Motive Straßburgs.

Anders als die lutherische Thomaskirche mit ihrer bis heute praktizierten Zweisprachigkeit kennt die reformierte Gemeinde der Paulskirche heute nur noch die französische Sprache, wie die Gesangbücher ebenso beweisen wie die etwas mühselige Kommunikation mit den Vertretern dieser Gemeinde. Aber die Sprache der Musik vereint dann schnell über die sonstige Sprachgrenze hinweg. Stephen Blaich demonstrierte dies an der Walcker-Orgel in begeisternder Weise mit Musikbeispielen durchwegs aus der spätromantischen Epoche.

Stephen Blaich an der Paulskirchen-Orgel

Auf der Orgelempore

Ob es die Fanfare des flämischen Organisten und Komponisten J-N. Lemmens, ob die Toccata in D von Max Reger, ob es Werke von Dupré, Widor, Tournemire oder von weiteren Komponisten aus Deutschland, Belgien und Frankreich waren, stets brillierte Stephen Blaich und zeigte alle Facetten der Orgel, „die mit ihren 240 Kubikmetern und 1934 auf 76 Register erweiterten Registerzahl eine der größten in weitem Umkreis“ ist.

Waren so die Teilnehmer an der diesjährigen Orgelfahrt voll auf ihre Kosten gekommen, so durften sie nach dem Abschied von der ehemaligen Freien Reichsstadt und jetzigen europäischen Hauptstadt Straßburg noch ein ganz anderes Erlebnis genießen: Einer wunderschönen herbstlich-bunten Fahrt in die Vorbergzone des Schwarzwaldes hinein folgte mit einer Weinprobe in der Ortenauer Weinbaugemeinde Durbach der Abschluss einer Veranstaltung für drei Sinne. Dem Hören und Sehen gesellte sich jetzt noch das Schmecken hinzu.

Weinprobe in Durbach

Kein Wunder war es daher, dass alle mehr als zufrieden die Heimfahrt ins Ermstal antraten und sich schon auf die Orgelfahrt im kommenden Jahr freuten.

Ein Fotoalbum steigert diese Vorfreude.


 

Anmeldung

Anmeldung unter 07123 92030

E-Mail