...so lautet eine alte jüdische Weisheit.

Erinnern ist das Geheimnis der Erlösung, weil nur der, der die Vergangenheit kennt, die Zukunft gestalten kann. Eine Gesellschaft wird nur überleben, wenn sie sich erinnert, auch und gerade einer bösen Vergangenheit, sich der Wahrheit der Geschichte stellt und daraus Lehren für die Zukunft zieht.

In den nächsten Wochen geht unser Blick im gesamten Ermstal besonders zurück in die Zeit von Januar bis Dezember 1940. Die Behinderteneinrichtung Grafeneck wird zu einem Tötungslager für Kranke und Behinderte. 10 654 Menschen werden sterben. An sie, die nicht leben durften, weil sie als "lebensunwert" galten, wollen wir uns erinnern. Zugleich gilt es ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen – auch eine Aufgabe der christlicher Gemeinde! - verbunden mit der Mahnung, wohin Unmenschlichkeit, Demagogie, Intoleranz, Fremdenhass und Rassismus führen: in die Barbarei.

Erinnern ist das Geheimnis der Erlösung. Erinnerungen tun gelegentlich weh. Eben auch, weil manches nicht mehr zu ändern ist. Aber es muss ja weiter gehen.

Für mich ist hier die Erinnerung an Gottes Verheißungen ganz wichtig, tröstlich und hilfreich. Die Erinnerung an den ans Kreuz geschlagenen Gott mit der Dornenkrone.

Er gehört zu den Opfern. Er will nicht den Sieg durch Gewalt. Er hat durch Liebe und Hingabe gesiegt. Er ist der Freund des Lebens. Und darum dürfen wir Mut haben, uns Mächten der Zerstörung auch heute in den Weg zu stellen, nicht zuletzt mit unseren Gebeten.

Wie damals vor 20 Jahren, als die Mauer fiel. "Erinnern ist das Geheimnis der Erlösung".

Pfarrer Bernd Weißenborn