Wenn ich heute über das Beten schreibe, geht es mir dabei um Elementares für unser Leben. Wenn ich meine Hände falte und bete, mache ich damit deutlich: Es muss noch etwas Höheres, eine größeres Macht geben als mich. Das Gespräch mit Gott ist und bleibt darum immer etwas sehr Persönliches. Dennoch will das Beten eingeübt und regelmäßig gepflegt sein.

Unter der Schreibtischunterlage meines Schreibtischs befindet sich schon viele Jahre ein Wort, das mir bei dieser Übung hilft und mich in den Tag und über den Tag begleitet. Es heißt: "Das Gebet ist der Schlüssel am Morgen und der Riegel am Abend." Es ist kein Wort aus der Bibel. Dieser Spruch stammt von Mahatma Gandhi. Das Eindrückliche an der Aussage von Gandhi sind für mich die beiden Bilder: Schlüssel und Riegel. Das erste Bild mit dem Schlüssel weist mich darauf hin, dass ich vor aller bevorstehenden, notwendigen (?) Arbeit erst einmal still werden soll vor Gott. Der mir bevorstehende Tag will sozusagen aufgeschlossen sein durch das Gespräch mit Gott.

Das zweite Bild mit dem Türriegel am Abend steht für das Zuschließen aller Eindrücke und Erlebnisse des Tages. Alles, was gewesen ist wie Freude und Streit, Ärger und Glück haben ihren Raum an diesem Tag in meinem Leben eingenommen. Nun ist die Zeit gekommen, meine Eindrücke mit Gott zu besprechen, mit ihm zu reden. Gott darf ich nun alles anvertrauen in der Hoffnung: Gott wird es gut machen, weil er mir zuhört.

Ich halte mich dabei an die Zusage Jesu: "Bittet, so wird euch gegeben, suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan" (Matthäus 7,7). In diesem Sinn wünsche ich Ihnen viele gute Gespräche mit Gott.

Pfarrer Andreas Stiegler