Da hatten wir zu Beginn der Abbrucharbeiten vom Altbau auf dem Gelände des Ferientagheims uns so wie wir es gewohnt sind, die Zeit zur Andacht genommen. Wir haben darum gebetet, dass die Abrissarbeiten, die vor allem in Eigenleistung durchgeführt werden, ohne Unfälle abgehen. Und dann ist doch etwas passiert. Keine wirklich schlimmen Unfälle, aber eben doch einige Verletzungen.

Hat Gott unser Gebet jetzt nicht erhört? Ich wurde mit dieser Frage später zu Recht konfrontiert. Diese Frage stellen wir uns alle, wenn wir die Erfahrung machen, dass unser Gebet scheinbar folgenlos bleibt, nicht erhört wird. Da glauben wir, wir hätten mit unserem Gebet Einfluss und müssen erleben, wie wenig Einfluss wir letztlich haben, wenn es um Gesundheit und Krankheit, Lebensführung und Schicksal, Glück und Unglück geht.

Es hängt alles daran, wie wir das Gebet zu Jesus verstehen. Wer meint, er könne im Gebet Gott vor den eigenen Karren spannen - wir geben eine Bestellung auf, er führt sie aus - wird scheitern und enttäuschende Erfahrungen machen. Das ist heidnisches Beten: Gott zur Erfüllung eigener Bedürfnisse zur Hilfe zu rufen.

Christliches Beten ist etwas anderes. Da sind wir zunächst Hörende und versuchen die Welt von ihm her zu sehen und unsere Bedürftigkeit zu erkennen. Mitten in den Geschäften des Alltags ihm alles hinlegen, der weiter sieht als wir. Darum geht es. Und dabei entdecken, dass es ein Geschenk ist, sich mit allem, was das Leben schön, aber manchmal auch unschön macht, an ihn wenden zu dürfen.

Auch eben wieder mit solchen Erfahrungen, wie oben beschrieben. Nichts ist zu groß, nichts ist zu klein als dass er kein Ohr dafür hätte. Wie er Gebet erhört, das ist seine Sache. Welche Antwort er gibt, bleibt zuweilen verborgen. Und gibt er eine andere Antwort als wir es uns wünschen, dann ist es gerade das erneute Beten, das uns wieder in die Nähe zu ihm bringt.

Und in seiner Nähe, da können wir atmen, klagen, ringen, loslassen und wir dürfen die Erfahrung machen, wie sich durch das Gebet Verzweiflung, Nicht-verstehen zu wandeln beginnen. Und wo uns Antworten gänzlich ausbleiben und unsere Gebete ganz folgenlos zu sein scheinen, da blicken wir als Christen auf den, der Gottes Antwort auf jahrhundertelange Gebete der Hoffnung ist, sein Sohn Jesus. 

Gott erhört Gebet. Von dieser Gewissheit ist die Bibel tief durchdrungen. Und es ist dann auch die Erfahrung vieler Menschen geworden, dass dies so ist. Beten ist zum Himmel blicken "aus der Mitte der Prüfung wie aus der Mitte der Freude" und sich mit Jesus verbinden. Von ihm selbst sind wir gebeten trotzdem und immer wieder zu beten. Und es behält die Verheißung, erhört zu werden.

Pfr. Bernd Weißenborn