"Das hat Hand und Fuß", sagte mein Großvater immer, wenn er etwas für besonders gut und verlässlich hielt. Kein Wunder, denn der Fuß braucht einen festen und verlässlichen Grund, auf dem er gehen kann. Die Hand steht wohl für so alles mögliche, was wir, im wahrsten Sinne des Wortes, in Gang setzen können. Das eine geht ohne das andere nicht. Handlungen ohne Fundament halten nicht lange an und wer nur auf der Stelle tritt, ohne etwas in Bewegung zu setzen, nimmt die Tragfähigkeit seines Fundamentes nicht ernst, zumindest nicht ernst genug!

Dass auch unser Glaube Hand und Fuß hat und braucht, versteht sich eigentlich schon von selbst. Für mich ist da der Religionsunterricht immer wieder ein gutes Beispiel.

Da werden die Grundlagen unseres Glaubens bedacht. Biblische Geschichten spielen dabei eine zentrale Rolle, wie auch die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen und natürlich die der Lehrerinnen und Lehrer. "Der Glaube", so sagt man, "kommt immer mit zwei Händen und zwei Füßen daher!"

Der Glaube braucht demnach authentische Zeugen, die nicht nur einen abstrakten Inhalt verhandeln, sondern konkret Rede und Antwort stehen, was das Evangelium von Jesus Christus für eine und einen ganz persönlich bedeutet. Dass wir zu diesen persönlichen Erfahrungen nicht einfach Ja und Amen sagen, versteht sich von alleine. Hier wird dann nachgefragt, kritisch mitgedacht, eigene Verstehensmöglichkeiten eingebracht oder auch gezweifelt. Auch das gemeinsame Singen oder Beten gehört mit dazu. Das war auch zu Zeiten jenes Mannes aus Nazareth nicht anders.

Aber der Religionsunterricht braucht neben dem Fuß, auf dem er steht, auch einen "Handlungsspielraum", in dem er konkret wird und mit der Wirklichkeit abgleicht, worauf er steht. Da kommen unsere Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen mit ins Spiel. In der Konfirmandenarbeit versucht man das seit gut sechs Jahren umzusetzen: Gemeindepraktikum beim Kindergarten, in der Kinderkirche, bei der Diakonie, die Mesnerin begleiten, kirchliche Mitarbeiter interviewen uvam. Im schulischen Bereich entdecken engagierte Religionslehrerinnen und –lehrer immer wieder Möglichkeiten, wo das im Relgionsunterricht Angesprochene im Leben Hand und Fuß bekommt. Da läuft in Metzingen zwischen Gymnasium und Hauptschule ein interessantes Projekt. Davon aber mehr auf der nächsten Seite. Damit auch dieser Artikel tatsächlich Hand und Fuß bekommt.

Schuldekan Ulrich Ruck