Um ein tadelloses Mitglied
einer Schafherde sein zu
können, muss man vor allem ein Schaf sein.
Albert Einstein

Was hat denn den Nobelpreisträger da bloß geritten? Schafe – das sind  doch einfältige Herdentiere. Willenlos folgen sie dem Hirten und  lassen sich – wenn’s denn sein muss – klaglos abschlachten. Keine  Spur von Intelligenz, Selbstverantwortung und Eigeninitiative. Da  haben wir es wieder, das alte Schema von Oben und Unten, von  Herrschen und Dienen.

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Oder hat Einstein etwas ganz anderes gemeint? Zum Beispiel: Gemeinsinn gegen Egoismus, Gemeinschaft gegen Alleingang,  Verbindlichkeit gegen Beliebigkeit?

In seinem Satz gibt es nämlich gar kein Oben und Unten, Herrschen und  Dienen. Ein Hirte kommt da gar nicht vor.

Weil Jesus gesagt hat: "Ich bin der Gute Hirte" – deswegen sind wir  "Jesu Schäflein", wie es ein altes Gesangbuchlied ausdrückt. Gut,  dass es so ist.

Aber Einstein lenkt unseren Blick in eine andere Richtung: sehen wir,  dass wir nicht für uns allein "Jesu Schäflein" sind? Es gibt viele  davon, auch solche mit ganz anderem Stallgeruch. Die brauchen mich -  und ich brauch sie. Sonst wird keine Herde draus. Weder im eigenen  Stall, noch zwischen allen Ställen des Guten Hirten. Und dazu braucht  es nicht allein Gottvertrauen, sondern auch Intelligenz,  Selbstverantwortung und Eigeninitiative. Und Gemeinsinn, Gemeinschaft  und Verbindlichkeit.

Pfarrer Christoph Bayer