Die Metzinger Familienbildungsarbeit (FBA) hatte zur neunten Orgelexkursion eingeladen

Der Metzinger Bezirks- und Martinskantor Stephen Blaich griff in diesem Jahr die Anregungen von Exkursionsteilnehmern der letzten Jahre auf, Führungen durch eine große Orgelwerkstatt und durch die Musikhochschule anzubieten. Im Gegensatz zum Vorjahr mit der dreitägigen Veranstaltung in Sachsen und Sachsen-Anhalt konnte Stephen Blaich sich so auf denkbar kurze Wege beschränken, denn mit der Orgelfabrik Mühleisen in Leonberg und der Stuttgarter Musikhochschule gab es jetzt sehr nah gelegene Ziele.

Orgelwerkstatt Mühleisen in Leonberg

Während der kurzen Omnibusfahrt nach Leonberg nutzten Stephen Blaich und Dr. Dieter Feucht die Zeit für viele musikalische und historische Informationen. In Leonberg musste sich die Gruppe teilen, weil in der Orgelfabrik nicht mehr als 25 Teilnehmer Platz hatten. Die Reiseleiterin Ursula Stoll hatte daher für den „Rest“ eine Stadtführung durch die alte württembergische Oberamtsstadt organisiert. So erlebte die technisch interessierte Hälfte die Produktionsmethoden für moderne Orgeln in einer der bedeutendsten Orgelwerkstätten, die allein seit 1985 über 80 Orgeln neu erbaut hatte, während die anderen von Dr. Uwe Painke, dem Leiter der Leonberger Volkshochschule, in einem äußerst unterhaltsamen Gang durch die malerische Leonberger Altstadt mit ihren vielen hohen Fachwerkhäusern geführt wurden. So kamen sie an das Wohnhaus der Familie von Johannes Kepler, weiter über eine Erinnerungsstätte an Eduard Mörikes Braut Luise Rau bis zum Geburtshaus des Theologen und Philosophen Friedrich Wilhelm Schelling, sahen die alte Lateinschule und den mächtigen Gasthof Schwarzer Adler, in dem im Jahr 1457 der erste Landtag der Teilgrafschaft Württemberg-Urach durchgeführt worden sein soll.
Natürlich kam auch die stolze romanisch-gotische Stadtkirche mit vielen Grabdenkmälern der Leonberger Ehrbarkeit nicht zu kurz, bevor unter dem Schloss noch der Pomeranzengarten der Herzogin Sybilla gestreift wurde.

Orgelpfeifen der Stuttgarter Stiftskirche

Nach der Wiedervereinigung der beiden Gruppen stand die Orgel der Stuttgarter Stiftskirche eine Stunde lang im Mittelpunkt des Geschehens. Diese von Konrad Mühleisen und 28 Mitarbeitern erbaute Orgel wurde im Jahr 2004 eingeweiht, hat 81 Register, 5.366 Pfeifen und eine rein mechanische Traktur. Nur das Speichersystem für die Registrierung ist elektronisch. Die Orgel ist vor allem für zwei Stilbereiche ausgelegt: zum einen für die Barockmusik von J. S. Bach, zum anderen für die deutsche sinfonische Orgelliteratur von Mendelssohn über Brahms bis Reger. Das prachtvolle vielseitige Instrument wurde anhand von vielen Klangbeispielen durch eine seit gerade einmal 14 Tagen an der Stiftskirche beschäftigte junge Organistin vorgeführt, die mit viel Charme und hohem technischen Können der Orgel immer wieder überraschende Klangfarben entlockte. Erwähnenswert waren zum Schluss auch noch die Kosten und ihre Tragung: Der Bau mit der gesamten Einrichtung verschlang 1,7 Millionen EURO, von denen allein über Spenden 880.000 EURO aufgebracht wurden.

Stuttgarter Musikhochschule

Nach ausgiebiger Mittagspause im sommerlich warmen und heiteren Stuttgart ging es zur Hochschule für Musik und darstellende Kunst (kurz. Musikhochschule), an der Stephen Blaich studiert hatte, und der daher beste Kenntnisse auch aus persönlicher Erfahrung einbringen konnte. Der postmoderne preisgekrönte Bau nach Entwürfen des englischen Architekten Stirling steht gegenüber dem Landtagsgebäude oberhalb der fürchterlich verkehrsbelasteten Konrad-Adenauer-Straße, die den Namen „Kulturmeile“ völlig zu Unrecht trägt und längst in den Untergrund verlegt gehört.

Der Verkehrslärm ist allerdings in der Hochschule total ausgeblendet, ebenso wie der Schall aus den einzelnen Unterrichtsräumen. Eine perfekte Schalldämmung in dem großzügigst ausgestatteten Institut macht dies möglich. So konnten die Exkursionsteilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt jeweils sechs Orgeln in vier Unterrichtsräumen vorgestellt bekommen; Studenten führten diese Instrumente mit verschiedensten Stilelementen von der Bach-Orgel bis zur französisch-romantischen Orgel vor und zeigten, wie meisterhaft sie schon aus der Orgelliteratur ausgewählte Beispiele spielen können.

Orgel in der Musikhochschule

Nach diesen mehr als interessanten Vorführungen ging es in herrlicher Abendstimmung mit faszinierenden Ausblicken auf die Blaue Mauer der Schwäbischen Alb auf eine problemlose Rückfahrt, während der Stephen Blaich noch abschließende Informationen zur Geschichte und Praxis der Musikhochschule und etliche Anekdoten für die Reisegruppe zum Besten gab. Am Ende freuten sich alle dankbar schon auf die zehnte Orgelexpedition im Herbst 2018.

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